Der Ackerhof AM BERGE

Die Geschichte unseres Hofes von den Anfängen der Besiedlung bis heute.

Ackerhof am Berge Schackstedt
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Wann erfolgte die Erstbebauung AM BERGE?

Wenn wir von der zeitlichen und räumlichen Entwicklung Schackstedts ausgehen, so wäre die Erstbesiedlung des BERGES mit den 3 gleichgroßen Höfen in die Zeit der systematischen Landaufsiedlung einzuordnen. Sie erfolgte, nachdem der militärisch genutzte Gebietsstreifen westlich der Saale nicht mehr als Kampf- und Aufmarschgebiet zur Verfügung stehen musste.

Vor 1100 bis etwa 1200 wurden innerhalb dieser Zone kleine Weiler bestehend aus 8 bis 10 Höfen mit Garten und einer Hufe Land angelegt.

Bei den meisten Siedlern handelte es sich um Slawenfamilien, welche aus den eroberten östlichen Gebieten kamen. Naturkatastrophen und die danach folgenden Missernten sowie Seuchen, Raubüberfälle und Brände ließen viele der kleinen Orte bis um 1400 wieder wüst werden.

Die wenigen überlebenden Bauernfamilien zogen schutzsuchend in benachbarte größere Dörfer um und bewirtschafteten ihre Felder von dort aus. Im Laufe der Jahrhunderte werden die 3 Wirtschaften AM BERGE, wie auch andere Bauernhöfe unseres Dorfes, zeitweise verfallen gewesen sein, weil sie unbewohnt waren. Eine spätere Abkapselung oder Isolierung lässt auf eine ortsfremde Neubesiedlung schließen.

Der Ackerhof AM BERGE

Der obere Ackerhof AM BERGE gehörte zu den Familienerbhöfen des Dorfes. Die mehrmalige Namensänderung seiner Besitzer erfolgte durch Einheirat. Nachzuweisen ist nur 1831 ein Verkauf innerhalb der Verwandtschaft: BESTEHORN / TÜRPE.

Nach Angaben in den Archivbüchern der hiesigen ST. KILIANSKIRCHE lag besagter Bauernhof neben dem Feldgarten der Pfarre. Nach 1813 wurden Teile des Südhanges östlich vom Pfarrgarten mit Obstbäumen bepflanzt. Die Einwohner nannten dieses Gebiet nun KIRSCHBERG und den dahinführenden Weg KIRSCHBERGWEG.

Um diese Zeit wurden auch die Häuser des Dorfes durchnummeriert. Vorher war es üblich, die Anwesen nach ihren Besitzern zu benennen: SCHRÖDERS HOF, BESTEHORNS HOF, MÜLLERS HAUS oder LINDEMANNS HAUS. Der damalige BESTEHORNSCHE HOF erhielt die Hausnummer 51. Als 1882 AM KIRSCHBERGWEG die II. Schule gebaut wurde, erhielt dieser Komplex die offizielle Bezeichnung SCHULBERG und der dorthin führende Weg wurde SCHULSTRASSE genannt. Um 1950 trat im Ort eine neue Straßenzuordnung in Kraft. Auch entfiel die bisherige Durchnummerierung aller Häuser. Von nun an erhielt jede Straße ihre eigenen Hausnummern. Die bisherige SCHULSTRASSE wurde dem SCHULBERG zugeordnet. Das Anwesen in der SCHULSTRASSE 51 wurde von nun an aktenkundig unter der Adresse SCHULBERG 19.

Besitzer des Ackerhofes neben dem Pfarrgarten

Familie HARTICH: vor 1589 bis 1626
Familie SAUER: 1626 bis 1706 (Einheirat)
Familie WILKE: 1706 bis 1750 (Einheirat)
Familie BESTEHORN: 1750 bis 1831 (Einheirat)
Familie TÜRPE: 1831 bis 1923 (Kauf)
Familie SCHUBERT: 1923 bis 2007 (Einheirat)
Familie MARTIN: 2007 (Kauf)

Chronik der Familien

Familie Hartwich

Vor 1589 war Andreas HARTWICH bereits Anspänner in Schackenstedt. 1589 kaufte Merten HARTWICH, im Beisein seines Vaters Andreas HARTWICH, sen., ein Haus von Antonius Gruber; er zahlte dafür 47 Gulden.

1598 schloss der Ackermann Andreas HARTWICH mit seinem Sohn Andreas HARTWICH, jun. einen Vertrag ab über 1/2 Bauerngut (Hofübergabe).

1602 war Andreas HARTWICH sen. bereits verstorben. Im Lehnsverzeichnis war sein Sohn Andreas HARTWICH als alleiniger Hofbesitzer geführt. Er galt als Halbbauer. Das Erblehen bestand aus 1 Haus mit Hof und Zubehörungen und 2 Hufen und 9 Morgen Acker (knapp 70 Morgen).

1626 heirateten Marie HARTWICH (Tochter von Andreas HARTWICH) und Andreas SAUER. Die Eheleute schlossen einen Ehevertrag über 1/2 Dienstgut ab. (Dienstgut: Dem Amte gegenüber mussten Dienste und Abgaben geleistet werden. Im Gegensatz dazu gab es die Freigüter, sie waren entweder Eigentum des Landes ANHALT oder sie waren als Zubehörungen solchen angeschlossen. Ursprünglich hatten diese Freigüter anstelle von Steuern Naturalabgaben und Dienstleistungen für den militärischen Sektor des Landes zu erbringen.)

1672 starb Andreas SAUER im Frühjahr. Seine Witwe Marie SAUER, geborene HARTWICH, im Spätherbst des gleichen Jahres.

Familie Sauer

1626 übernahmen Andreas SAUER und seine Ehefrau Marie SAUER, geborene HARTWICH, den Anspännerhof. Nachfolger wird ihr Sohn, Andreas SAUER, Ackermann. Verheiratet war er mit Elisabeth, geborene WURFF.

1679 bis 1684 war Andreas SAUER Ortsrichter. 1681/82 herrschte die Pest in Schackenstedt. 1684 starb der Ortsrichter SAUER.

Ein Sohn vom Ehepaar SAUER/WURFF heirate beim Ackermann BUNNERBÖSSE ein. Der Hof lag am jetzigen BELLEBENER WEG (Gärtnerei). Er wurde der Stammhof der Familie SAUER.

1682 heirateten Hanß SAUER, Ackermann und Gerichtsschöppe (Sohn vom Ortsrichter SAUER), und Martha, geborene Gebhardt. Nach Archivunterlagen hat die Ehe nur kurze Zeit bestanden, denn Martha wurde von ihrer Schwester Marie Gebhardt abgelöst.

Marie SAUER, geborene GEBHARDT, wird 1700 bereits als Witwe geführt. Es folgte Hanß Jacob SAUER. Seine Frau hatte den Vornamen Elisabeth. Hanß SAUER starb vor 1752. Er erlebte die Hochzeit seiner Tochter Gertraude Kristina nicht mehr.

1752 heiratete Gertraude Kristina SAUER (geboren 1733, Zwillingsschwester von Maria Katharina) den Witwer Johann Andreas WILKE, Ackermann. In erster Ehe war WILKE seit 1744 mit Eleonore geb. LANDENBERG verheiratet. Eleonore verstarb Anfang 1752 am Kindbettfieber nach ihrem 6. Kind. Im November 1752 ehelichte WILKE die Hoferbin Gertraude Kristina SAUER. Mit ihr hatte er noch 8 Kinder. Der Ackermann WILKE hatte bereits mehrere noch lebende Kinder. Sein Hof lag auch AM BERGE, vermutlich gehörte dieser vorher der Familie LANDENBERG (jetzt Köller).

Familie Wilke

1752 wurde die Ehe im Heiratsregister der ST. KILIANSKIRCHE eingetragen: „Der Witwer und Ackermann Johann Andreas WILKE und Gertraude Kristina SAUER schließen am 23. Nov. die Ehe.“

1788 wurden Marie Elisabeth WILKE, Tochter vom Ehepaar WILKE/SAUER und Hoferbin, und Johann Samuel Andreas BESTEHORN in der hiesigen Kirche getraut.

1706 verzeichnete das älteste Kirchenbuch die Hochzeit von CHRISTOPH HANSS WILCKE und MARGARETHE DOROTHEA TORGE. WILCKE bewohnte eines der Erbhäuser des Adelshofes. Dies blieb auch für weitere 3 Generationen das „Stammhaus“ der WILKES. Später kauften sie es als Alterssitz und schließlich entstand auf dem Abrissplatz der Bausgarten für die Familie Gottlieb WILKE (jetzt Kegelbahn). Die zahlreichen Nachkommen von WILKE/TORGE heirateten zumeist in Ackerhöfe ein.

1707 war WILCKE Rinderherr auf dem Adelshof.

Familie Landenberg

1684 zahlte Andreas LANDENBERG aus Gerbstedt sein Zuzugsgeld in die Schackenstedter Gemeindekasse ein und ließ sich im Dorfe als Ackermann nieder.

1744 wurde ein Ackermann Heinrich LANDENBERG mehrmals im Kirchenarchiv erwähnt. Im selben Jahr heiratete Johann Andreas WILKE die Eleonore LANDENBERG (geboren in Mehringen). 1797 starb Johanne Juliane LANDENBERG, verheiratete Marquard.

Seitdem ist der Familienname LANDENBERG in keinem der hiesigen Archivbücher mehr zu finden.

Familie Bestehorn

1788 ging Marie Elisabeth WILKE, Tochter vom Anspännerehepaar WILKE/SAUER und Hoferbin, die Ehe mit Johann Samuel Andreas BESTEHORN ein. 13 Kinder hatten die Eheleute. 3 Söhne heirateten in Anspannhöfe (Radicke, Wilke, Braune). 2 Söhne lernten Schmied und heirateten Töchter ihres Meisters LODERSTEDT. Der Hoferbe Samuel BESTEHORN bewirtschaftete mit seiner Ehefrau Marie, geborene STANGE, als nächster den Anspannhof.

1831 verstarb Johann Samuel Andreas BESTEHORN. Wie aus dem Erbbrief ersichtlich, hatten Samuel und Marie BESTEHORN damals 4 erbberechtigte Kinder.

1831 verkauften die BESTEHORNS ihren Hof an den Schwager von Marie geborene STANGE: Gustav TÜRPE.

1830/31 starben in Schackstedt viele Leute an Frieseln und Nervenfieber (Hirnhautentzündung). Betroffen waren auch die Großfamilien Bestehorn, Wilke, Schäfer und Stange. Nach dieser Seuchenzeit waren mehrere Bauernhöfe ohne Bewirtschafter. Die Höfe wurden dann innerhalb der Familie aufgeteilt oder vergeben, standen aber auch zum Verkauf. In dieser Zeit zogen mehrere Bauernfamilien von Mehringen und Drohndorf nach Schackstedt.

1831 übernahmen das Anspännerehepaar Samuel und Marie BESTEHORN im Ort einen Hof, welcher bis dahin von nahen Verwandten bewirtschaftet worden war (Haus, Hof, Ställe, Scheune, Garten u. Zubehör).

Der Stammvater der Familie, Johann Elias Sylvester PESTHORN (BESTHORN), kam als Gastwirt von Sandersleben nach Schackstedt. 1750 heiratete er Albertine Anna Johanna HOMUTH (deren Eltern besaßen einen Anspannhof in der SPECKGASSE). Ab 1764 wurde er in den Kirchenregistern als Ackermann geführt. Das Ehepaar hatte 10 Kinder, welche in die Familien WILKE, STANGE, RARISCH und SAUER einheirateten.

Nachtrag 1788: Jacob LODERSTEDT war hiesiger Schmiedemeister u. verheiratet mit Dorothee Elisabeth, geb. RADICKE. Sein Bruder Gottfried war Schmiedemeister in Zeitz und verheiratet mit Marie Sophie SCHÄFER.

Familie Türpe

1831 kaufte Johann Gustav TÜRPE den Anspännerhof der Familie BESTEHORN. Er war ein Sohn vom Ackermann Gustav TÜRPE aus Belleben. Verheiratet war TÜRPE mit Marie geb. STANGE (Schwester von Marie Friederike BESTEHORN). Marie TÜRPE starb 1841 im Wochenbett.

Ende 1841 ehelichte der Witwer Gustav TÜRPE Marie Caroline SCHÄFER, Tochter vom Anspänner und Richter Andreas SCHÄFER. Nach Angaben des damaligen Justizamtes in Sandersleben kaufte Gustav TÜRPE 1831: 1 Kossathenhaus mit Angebäuden, 1 Garten und 1 Weidefleck sowie 16 Morgen Acker (3 weitere Morgen kaufte Türpe bis 1855 dazu).

1872 heiratete der „hiesige Gutsbesitzer“ Carl August Andreas TÜRPE (Sohn aus erster Ehe, geb. 1834) Eleonore Luise HUHN aus Leau. Das Ehepaar übernahm den Ackerhof. Bis einschließlich 1879 starben 4 ihrer Kinder an Diphtherie. Danach zog die Familie nach Leau.

Nun übernahm Gustav Carl Eduard TÜRPE (Sohn aus zweiter Ehe) mit seiner Ehefrau Marie Auguste, geborene STANGE, die Wirtschaft (Eheschließung Januar 1892). Aus der Ehe überlebten 1 Sohn und 2 Töchter die Kinderkrankheiten. Der Hoferbe Otto Carl verstarb 1914, die Tochter Marie Dorothee 1918. Übrig blieb nur die jüngste Tochter Dora Röschen.

Die Eheleute Marie Auguste und Gustav Carl Eduard TÜRPE ließen ein erworbenes Handwerkergrundstück (ehemals MÖVERT) wieder zum Bauernhof umbauen. Im Januar 1923 heiratete Dora Röschen TÜRPE den Landwirt Willi Martin SCHUBERT.

Familie Schubert

Im Januar 1923 heiratete Dora TÜRPE den aus Großwig stammenden Gutsbesitzerssohn Willi Martin SCHUBERT. Ausgestattet mit dem Erbe aus Eltern- und Großelternhaus war Dora TÜRPE eine angemessene Partie, sodass sich Martin SCHUBERT entgegen aller örtlichen Gepflogenheiten Gutsbesitzer nannte.

1923 wurde der Sohn und zukünftige Hoferbe Günther geboren. 1928 kam Brunhilde (Brunni) zur Welt.

1940 starb Dora Röschen SCHUBERT. 1943/44 fiel Günther in der Winterschlacht bei Stalingrad. Brunhilde SCHUBERT heiratete den Lehrer Hofmann und zog aus Schackstedt fort.

Bis etwa 1954 versuchte Martin SCHUBERT den landwirtschaftlichen Betrieb aufrechtzuerhalten. Dann ging er eine zweite Ehe ein und verließ das Dorf. Den Hof übernahm sein Neffe Rudolf SCHUBERT (verstorben 1992).

2007 wurden die Hofgebäude und der Garten an Christoph MARTIN verkauft.

Quellen & Dokumente

Als Unterlagen für den Besitzerwerb oder für einen Eigentumsnachweis dienten Angaben aus folgenden Amtsdokumenten:

  1. Erbbuch oder Verzeichnis aller Erbzins … des Jurge Möligke Abteilung Sandersleben 1548.
  2. Erbzinsregister Sandersleben, 1558.
  3. Amtshandelsbuch Sandersleben.
  4. Lehnsbuch Sandersleben, Abteilung Schackstedt 1599 bis 1602. (1. und 4. Staatsarchiv Magdeburg, Abtl. Landesarchiv Anhalt/Oranienbaum; 2. und 3. Staatsarchiv Magdeburg, Abtl. Landesarchiv Anhalt/Zerbst)
  5. Amtsgerichtsunterlagen Sandersleben, 1820 bis 1876. (Herzogliches Justizamt Sandersleben, herzogliche Kreisgerichts-Kommission)
  6. Separationsunterlagen Schackstedt 1839 bis 1876.
  7. Geburten- und Taufregister, Heiratsregister und Sterberegister, Stuhl-Register der schackenstädtischen Kirche, 1785 bis 1882. Matrikel von Pfarrer Jahn, 1826 bis 1862 (z.T. mit übernommenen Texten von Pfarrer Schmidt, 1800 bis 1826). Die Archiv- oder Registerbücher werden seit 1642 in der hiesigen ST. KILIANSKIRCHE geführt.
  8. Auszüge aus Gemeinderatssitzungen, Schackstedt, 1893 – 1936.
Zugrunde gelegt wurde bei den Eigentumsnachweisen der Wissensstand von 2007. Dadurch könnten einige Daten mit denen aus früheren Aufzeichnungen nicht mehr übereinstimmen. Mögliche Fehlinterpretationen können leider nicht ausgeschlossen werden, denn die vorhandenen Daten und Angaben ließen sich nicht immer lückenlos aneinanderreihen.

Zusammengestellt und niedergeschrieben zur Dokumentation der Hofgeschichte.

Schackstedt, 26. Juli 2007
Siglinde Kretzschmar, geb. Schröder ✝